13. bundesweite Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien vom 13. bis 19. Februar 2022

In Mecklenburg-Vorpommern wachsen mindestens 3674 Kinder und Jugendliche mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf und 43 Schwangere suchten in 2020 Hilfe bei einer Suchtberatung, hauptsächlich wegen einer Alkohol- oder Cannabisproblematik. Dies geht aus der Landesauswertung der EBIS-Daten 2020 der Sucht- und Drogenberatungsstellen Mecklenburg-Vorpommern hervor.

Bundesweit sind rund drei Millionen Kinder und Jugendliche von der Suchtkrankheit ihrer Eltern betroffen. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher, da nur die Klient*innen erfasst werden können, die Hilfe suchen. Da es zum Krankheitsbild gehört, dass Abhängige ihre Sucht lange abstreiten und der Meinung sind, jederzeit mit dem Konsum der Droge aufhören zu können, kann es viele Jahre dauern, bis die/der Süchtige bereit ist, sich Hilfe zu holen.

Die Auswirkungen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind vielfältig. Das sind zum einen körperliche Folgen, die durch den Drogenkonsum der Mutter während der Schwangerschaft entstehen können. Wie z.B. Schädigungen durch Konsum von Alkohol und der Entwicklung einer Fetalen Alkoholspektrumsstörung (FASD)

Zum anderen sind es psychische Folgen, da die Kinder im Alltag miterleben, wie das abhängige Elternteil nur damit beschäftigt ist, Suchtmittel zu beschaffen und zu konsumieren. Das Kind kann sich nie sicher sein, wie das Elternteil in welcher Situation reagiert. Dadurch werden Unsicherheit und Ängste zu ständigen Begleitern der Kinder.

Eine weitere Auswirkung ist die Entwicklung eines eigenen Suchtverhalten, auch wenn Kinder suchtkranker Eltern nicht zwangsläufig selbst abhängig werden. Jedoch haben sie ein 6-fach höheres Risiko, eine Abhängigkeit oder eine andere psychische Störung zu entwickeln. Etwa ein Drittel dieser Kinder wird im Erwachsenenalter alkohol-, drogen- oder medikamentenabhängig. Ein Drittel entwickelt psychische oder soziale Störungen (teilweise überlappend mit dem ersten Drittel). Ein Drittel kommt mehr oder weniger unbeschadet davon.

Für die pädagogische Arbeit mit Kindern ist es wichtig, die versteckten Hinweise, die auf eine familiäre Suchtbelastung hindeuten können, zu erkennen. Erzieher*innen, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und andere Multiplikator*innen müssen entsprechend sensibilisiert und weitere Hilfeangebote geschaffen werden.

Im Rahmen der Aktionswoche veranstaltet die LAKOST MV ein Webseminar zum Thema: „Drogengeschädigte Kinder – was tun?“

Das Seminar war schon nach kurzer Zeit ausgebucht. Das breite Spektrum der Teilnehmer*innen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Familienhebammen, Schwangerschaftsberatungsstellen, Suchtberatungsstellen und Schulsozialarbeiter*innen zeigt, dass in den verschiedensten Bereichen ein großer Fortbildungsbedarf besteht. Wir werden das Seminar zu einem späteren Zeitpunkt erneut anbieten.

Weitere Informationen:

https://nacoa.de/neuigkeiten/13-bundesweite-aktionswoche-fuer-kinder-aus-suchtbelasteten-familien-vom-13-bis-19

https://www.lakost-mv.de/kinder-aus-suchtbelasteten-familien