– Mit großer Bestürzung reagiert die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen M-V auf die kurzfristig angekündigte Kürzung von jeweils 45.000 Euro pro Suchtberatungsstelle. Insgesamt betrifft dies drei Personalstellen, deren Wegfall die Versorgungssicherheit für suchtkranke und hilfesuchende Menschen massiv gefährdet.
Dabei hatte die Rostocker Bürgerschaft noch beim letzten Doppelhaushalt die besondere Bedeutung der Suchtberatung ausdrücklich anerkannt und entsprechende finanzielle Mittel für die Jahre 2024 und 2025 bereitgestellt. Auf dieser Grundlage wurden im Frühjahr ordnungsgemäß die Förderanträge eingereicht. Nun – nur fünf Wochen vor Weihnachten – erhalten die Träger dennoch die überraschende Mitteilung, dass erhebliche Mittelkürzungen vorgenommen werden sollen.
Es ist bekannt, dass der Rostocker Stadtverwaltung erhebliche Mittel fehlen, um die Gehälter aller Mitarbeitenden vollständig auszuzahlen. Umso schwerer wiegt der Eindruck, dass die Kürzungen letztlich auf Missmanagement der Stadtverwaltung zurückzuführen sind – und nun ausgerechnet die so dringend benötigte Suchtberatung die Folgen tragen soll.
Diese Aktion zeigt einmal mehr, wie dringend notwendig es ist, für die Hansestadt Rostock eine vernünftige und vorausschauende Suchtpräventions- und Suchthilfeplanung zu entwickeln.
„Wo bleibt die soziale Verantwortung?“, fragt sich Birgit Grämke, Geschäftsführerin der LAKOST MV angesichts dieser Entscheidung.
Personalstellen kurzfristig zu streichen, ist nicht nur fachlich unverantwortlich, sondern organisatorisch kaum umsetzbar: Kündigungsfristen müssen eingehalten werden, Personalplanungen stehen vor dem Kollaps, und die Beratungsstellen können ihre fachlichen Standards unter solchen Bedingungen nicht gewährleisten.
Die Folgen treffen vor allem die Hilfesuchenden. Bereits jetzt verzeichnen die Rostocker Suchtberatungsstellen einen deutlichen Anstieg der Klientenzahlen: 2024 suchten rund 1.923 Menschen Unterstützung – 70 mehr als im Vorjahr. Mit weniger Beratungspersonal werden diese Zahlen zwangsläufig zurückgehen, nicht etwa wegen sinkendem Bedarf, sondern weil immer weniger Hilfesuchende überhaupt aufgenommen werden können.
Längere Wartezeiten, eingeschränkte Erreichbarkeit und der Verlust dringend benötigter Unterstützungsangebote sind unausweichlich.
Sucht ist keine Charakterschwäche – sie ist eine schwere, lebensbedrohliche Krankheit.
Ohne rechtzeitige Behandlung, ohne Menschen, die begleiten, auffangen und stabilisieren, rutscht sie allzu oft in einen chronischen Verlauf ab. Zurück bleiben zerstörte Gesundheit, seelische Erschöpfung und nicht selten eine dauerhafte Behinderung. Jede verspätete Hilfe kostet Lebensqualität – manchmal sogar Leben.
Wenn Suchtberatung ausgedünnt wird, bleibt das nicht ohne Folgen.
Was an Unterstützung fehlt, taucht später an anderer Stelle als hohe Kosten wieder auf: in der Eingliederungshilfe, der Jugendhilfe, der Wohnungslosenhilfe oder im Gesundheitssystem. Am Ende zahlt die gesamte Stadtgesellschaft den Preis.
Jede nicht geführte Beratung ist ein Mensch mehr, der Gefahr läuft, zum Langzeitfall zu werden – ein Mensch, der vielleicht rechtzeitig hätte aufgefangen werden können.
Gerade jetzt, in Zeiten neuer Konsumtrends, wachsender psychischer Belastungen und einer sich wandelnden Drogenpolitik, braucht Rostock eine starke, verlässliche Suchtberatung: gut ausgestattet, fachlich kompetent und finanziell so abgesichert, dass sie langfristig planen und wirksam helfen kann.
Die LAKOST appelliert dringend an die Verantwortlichen der Stadt Rostock, die angekündigten Kürzungen zurückzunehmen. Eine funktionierende Suchtberatung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge – gerade in Zeiten steigender Fallzahlen.

