Mit dem Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft startete nicht nur ein sportliches Großereignis, sondern auch eine massive Werbeoffensive der Glücksspielindustrie.
Die Landesfachstelle Glücksspielsucht schlägt rechtzeitig vor Turnierbeginn Alarm. Die aggressive Vermarktung von Sportwetten verharmlost die enormen Risiken und zieht insbesondere ein junges Publikum in eine gefährliche Abwärtsspirale. Die Anbieter nutzen die emotionale Aufladung der WM-Spiele gezielt aus. Durch die permanente Präsenz der Logos und Werbespots der Wettanbieter im direkten Sportumfeld sowie auf digitalen Kanälen wird den Fans suggeriert, dass die Sportwette untrennbar zum echten Fußballerlebnis dazugehört. Diese fortschreitende Normalisierung führt dazu, dass die beträchtliche Suchtgefahr in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit völlig in den Hintergrund gedrängt wird.
Christian Krieg, Referent für Glücksspielsuchtprävention warnt vor den psycho-logischen Mechanismen: „Insbesondere bei Sportwetten erliegen Spielende dem Irrglauben, man könne Spielausgänge durch angebliches Fachwissen sicher vorhersagen. Doch Fußball bleibt unberechenbar, und Sportwetten reines Glücksspiel. Wer in diese Falle tappt, versucht nach Verlusten oft das verlorene Geld durch immer höhere und gewagtere Wetteinsätze wieder reinzuholen. Dieser Kontrollverlust ebnet den Weg in die Verschuldung und Abhängigkeit.“
Die Folgen einer Suchterkrankung reichen weit über den reinen Verlust von Ersparnissen hinaus. Neben der wirtschaftlichen Notlage drohen den Betroffenen schwere seelische Krisen, die Zerrüttung von Beziehungen zu Familie und Freunden sowie massive Probleme im Arbeitsalltag. Da der Zugang über Wett-Apps auf dem Smartphone rund um die Uhr und von überall aus möglich ist, ist die Hemmschwelle so niedrig wie nie zuvor.
Christian Krieg rät dringend zu einem kritischen und distanzierten Umgang mit den Angeboten der Sportwettbranche. Wer merkt, dass das Wetten die Kontrolle über den eigenen Alltag übernimmt, oder entsprechende Anzeichen bei Angehörigen beobachtet, sollte frühzeitig reagieren. Professionelle Beratungsstellen bieten Betroffenen und ihrem Umfeld diskrete, unentgeltliche und auf Wunsch vollkommen anonyme Unterstützung an.
Zusätzlich fordert Christian Krieg die Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, den Schutz von Fußballfans und insbesondere Minderjährigen stärker in den Mittelpunkt zu stellen:
„Wettfirmen sind die einzigen sicheren Gewinner in diesem Spiel. Wir fordern deshalb ein Sport-wetten-Werbeverbot und eine wirkungsvolle Aufklärungskampagne zu den Risiken von problematischem Glücksspiel und Glücksspielsucht mit dem Fokus Sportwetten“, sagt Christian Krieg.
„Gleichzeitig muss die Glücksspielsuchtprävention dringend gestärkt werden. Leider sind die für die Prävention zur Verfügung gestellten Gelder des Landes seit über 15 Jahren unverändert geblieben, obwohl die Glücksspieleinnahmen kontinuierlich gestiegen sind. Es braucht deshalb, ähnlich wie im Nachbarbundesland Schleswig-Holstein, einen festen Prozentsatz der Glücksspieleinnahmen, der gezielt zur Finanzierung der Suchtprävention genutzt wird. In MV haben wir beispielsweise nicht genügend Suchtpräventionsfachkräfte, die das bundesweite Glücksspielsuchtpräventionsprogramm “Abgezockt” in den Schulen durchführen können“, ergänzt Krieg seine Ausführungen.

