Kinder leiden leise: Tausende wachsen in Mecklenburg-Vorpommern mit suchtkranken Eltern auf

„Wir werden sichtbar“ - Bundesweite Aktionswoche Kinder aus suchtbelasteten Familien 22.-28.02.2026

 

Anlässlich der bundesweiten Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien richtet die Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV den Blick auf Kinder, deren Alltag von Unsicherheit, Angst und Überforderung geprägt ist. Kinder, die lernen, leise zu sein. Die Verantwortung übernehmen, bevor sie selbst erwachsen sind. Aktuelle Zahlen aus der Suchtberatung Mecklenburg-Vorpommern machen deutlich, wie viele junge Menschen betroffen sind – und wie dringend sie verlässliche Unterstützung brauchen.

 

Im Jahr 2024 in Mecklenburg-Vorpommern waren 3.802 minderjährige Kinder von der Suchterkrankung eines Elternteils betroffen waren. 2.327 dieser Kinder leben im gemeinsamen Haushalt mit dem suchtkranken Elternteil – unmittelbar betroffen und ohne geschützten Rückzugsraum. Damit ist die Zahl der betroffenen Kinder erneut gestiegen (2023: 3.675 Kinder).

Es ist jedoch bekannt, dass von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgegangen werden muss, da viele suchtkranke Eltern keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen oder ihre Abhängigkeit verdrängen bzw. nicht als Erkrankung anerkennen. Dadurch bleiben zahlreiche betroffene Kinder statistisch unsichtbar.

 

Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Kind mit eigenen Sorgen, Fragen und Ängsten.

Kinder aus suchtbelasteten Familien tragen ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Erkrankungen, Entwicklungsverzögerungen, schulische Schwierigkeiten und eine eigene spätere Suchterkrankung. Viele von ihnen lernen früh, sich selbst zurückzunehmen. Sie übernehmen Verantwortung, die ihnen nicht zusteht, fühlen sich schuldig für das Verhalten ihrer Eltern oder geraten in quälende Loyalitätskonflikte. Was sie erleben, prägt sie – oft weit über die Kindheit hinaus.

Gleichzeitig fühlen sich viele dieser Kinder allein gelassen. Sie erleben Angst, Scham und soziale Isolation. Ihre Not bleibt häufig unsichtbar, weil über Sucht in Familien noch immer geschwiegen wird. Doch Schweigen schützt nicht – es verstärkt die Belastung.

 

Sucht ist keine Frage von mangelnder Willenskraft. Sie ist eine anerkannte chronische Erkrankung, die das gesamte Familiensystem betrifft. Wenn Eltern suchtkrank sind, geraten auch Kinder aus dem Gleichgewicht. Frühzeitige, professionelle Unterstützung kann jedoch entscheidend dazu beitragen, Leid zu lindern, Risiken zu reduzieren und Lebenswege positiv zu verändern.

Hier setzt professionelle Suchtberatung an. Sie bietet einen niedrigschwelligen, vertraulichen und wertschätzenden Zugang zu Hilfe – ohne Schuldzuweisungen, mit fachlicher Kompetenz und Empathie. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Eltern, die frühzeitig Beratung in Anspruch nehmen, entwickeln häufiger Krankheitseinsicht, stabilisieren ihren Konsum oder beginnen eine Therapie. Davon profitieren nicht nur sie selbst – sondern vor allem ihre Kinder.

Suchtberatung stärkt Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit, macht die Auswirkungen von Sucht auf Kinder sichtbar und vermittelt weiterführende Hilfen. Sie baut Brücken zur Kinder- und Jugendhilfe, zu Präventionsangeboten und therapeutischer Unterstützung. Jeder gelungene Beratungskontakt ist eine Chance, den Kreislauf aus Sucht, Schuld und Schweigen zu durchbrechen.

„Indem Suchtberatung gestärkt wird, schaffen wir Räume, in denen Eltern Hilfe annehmen können – und Kinder die Möglichkeit bekommen, sicher, gesund und hoffnungsvoll aufzuwachsen“, betont Birgit Grämke, Geschäftsführerin der LAKOST MV.

 

Kinder aus suchtbelasteten Familien brauchen Erwachsene, die hinschauen, zuhören und handeln. Pädagogische Fachkräfte können zu diesem Thema Fortbildungen bei der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV in Anspruch nehmen – damit kein Kind mit seiner Not allein bleibt. www.lakost-mv.de

 

Mit der Landesfachstelle KipsFam und den acht Regionalstellen gibt es zentrale und regionale Anlauftstellen in Mecklenburg-Vorpommern wenn es um Kinder aus psychisch und/oder suchtbelasteten Familien geht. https://www.blickauf-kipsfam.de/

 

Alle Informationen zur bundesweiten Aktionswoche - https://coa-aktionswoche.de/

 

Hilfsangebote

https://www.lakost-mv.de/unterstuetzung

https://www.blickauf-kipsfam.de/

Online-Beratung rund um das Thema Kinder aus Suchtfamilien - https://c05.aygonet.org/beratung-nacoa/